So einfach können Sie Ihren Kollegen durchschauen

Wer würde manchmal nicht gerne Gedanken lesen können? Gerade im Job erscheint eine solche Fähigkeit als Traum vieler Arbeitnehmer. Immerhin wüsste man sofort, warum der Chef so schlecht gelaunt ist und was es mit dem seltsamen Verhalten der Kollegen auf sich hat. Unsere Gedanken gehören nur uns und niemand kann sie sich ansehen. Allerdings teilen wir zum Beispiel über unsere Körperhaltung und Mimik mehr mit, als es uns manchmal recht ist. Genau diese Aspekte können Sie sich zu Nutze machen, um Ihre Kollegen zu durchschauen. Wer dazu in der Lage ist, andere Menschen ausreichend einzuschätzen, kann auf Grundlage dieser Einschätzung auch sein Handeln anpassen und so die zugrundeliegenden zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern. Im Job kann das gar nicht so unnütz sein, immerhin verbringen wir einen großen Teil unseres Tages im Büro.

Das passiert, wenn man Ihnen Inkompetenz unterstellt

Wenn Ihre Kollegen und Kolleginnen Ihnen ständig ins Wort fallen, liegt es nahe, dass man Sie für inkompetent hält. Die fortlaufenden Unterbrechungen sind ein Signal fehlender Wertschätzung. Der Unterbrechende selbst ist überzeugt, ohnehin darüber aufgeklärt zu sein, was Sie als nächstes sagen möchten. Eine intakte Beziehung im Büro kennzeichnet sich unter anderem durch den so genannten „Nase-Nabel-Kontakt“. Damit ist gemeint, dass beide Personen sich offen und direkt einander zuwenden. Die Bezeichnung stammt aus der Haltung: Im Nase-Nabel-Kontakt liegt quasi eine unsichtbare Verbindung zwischen den jeweiligen Nasen und Nabeln der beiden Kollegen vor. Wenn Personen hingegen sich teilweise bereits abgewendet haben, zum Beispiel mit Schultern oder Füßen, ist das ein eindeutiges Zeichen des kommenden Aufbruchs.

Anders sieht es aus, wenn man Sie aufsucht, sobald es zu einem Problem kommt. Falls sich in solchen Zeiten Ihr Büro des Öfteren füllt und Sie durch Fragen häufig von der Arbeit unterbrochen werden, ist das zunächst vielleicht lästig, aber Sie dürfen sich auch freuen. Ein solches Verhalten zeigt nämlich, dass man von Ihren Fähigkeiten überzeugt ist und Ihnen die Lösung von Problemen zutraut. Eine Einschränkung gibt es aber auch hier. Achten Sie konkret darauf, mit welchen Sachverhalten die Kollegen Sie aufsuchen. Wenn sie gar keine Fragen zu Arbeitsabläufen oder ähnlichem haben, sondern stattdessen mit der Bitte nach Hilfe bei unliebsamen Aufgaben um die Ecke kommen, ist Vorsicht gefragt. Kollegen, die ihre unangenehmen Jobs ständig Ihnen überlassen möchte, scheinen ihre eigene Arbeitszeit als kostbarer zu empfinden.

So erkennen Sie, ob Ihre Kollegen Sie für arrogant halten

Arroganz am Arbeitsplatz ist immer schwierig, weil die zwischenmenschlichen Beziehungen unter einem solchen Verhalten leiden und es oft zu Tuschelein und Lästereien kommt. Ihre Kollegen werden Ihnen aber vermutlich nicht direkt ins Gesicht sagen, dass sie Ihr Verhalten als arrogant wahrnehmen. Das müssen sie aber auch nicht, ihre Mimik verrät es Ihnen auch ohne ein Wort. Wenn die Kollegin oder der Kollege sie schief anlächelt, sollten Ihre Alarmglocken losgehen. Asymmetrische Gesichtszüge, beispielsweise in Form eines nur einseitig angehobenen Mundwinkels oder nur einer Augenbraue, weisen auf eine Antipathie, Skepsis oder gar Verachtung hin. Ein solches Zeichen tritt in dem Gesicht oftmals nur für den Bruchteil einer Sekunde auf und braucht eine gute Beobachtungsgabe. Allerdings sollten Sie mit Vorsicht agieren und nicht haltlos Kollegen aufgrund ihrer Mimik kategorisieren. Dafür braucht es nämlich leider etwas mehr, ganz so einfach ist das Ablesen des Gesichts nicht. Sie sollten zudem berücksichtigen, in welcher Situation und welchem Kontext der asymmetrische Ausdruck auftritt und über weiteres Wissen über die Persönlichkeitseigenschaften der Person verfügen.

Beobachten Sie Ihren Kollegen. Wenn er bei jeder Ihrer Aussagen für einen kleinen Moment eine Augenbraue hebt, kann es durchaus sein, dass er Ihnen eher negativ eingestellt gegenübersteht. Allerdings ist hier viel Fingerspitzengefühl wichtig. Sprechen Sie ihn nicht direkt auf Ihre Vermutungen an, die stets Vermutungen bleiben. Fragen Sie ihn stattdessen lieber, ob Ihr Eindruck zutreffe, dass die Chemie zwischen ihnen irgendwie nicht so richtig stimme und woran das liege.

Gehören Sie zum Team? Ihre Kollegen verraten es Ihnen!

Das Verhalten Ihrer Mitmenschen offenbart aber nicht nur ihre dunkleren Geheimnisse. Sie können es auch nutzen, um herauszufinden, wie es um Ihre Integrität in dem Team steht. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass Sie als Teil des Teams gesehen werden, ist das Zurechtrücken von Stühlen, wenn Sie zu spät zum Meeting erscheinen. Auf diese Weise wollen Ihre Kollegen Ihnen Platz machen und zeigen, dass Sie dazu gehören.
Darüber hinaus kommt es bei Menschen, die sich einander sympathisch finden oder in eine Gemeinschaft integriert sind, zu einer Angleichung. Beobachten Sie sich und Ihre Kollegen. Wenn Ihre Kollegen sich zurücklehnen, sobald Sie es tun , ist das ein gutes Zeichen. Sie scheinen nicht nur aufgrund des Arbeitsverhältnisses zusammenzuarbeiten, sondern auch gut miteinander klarzukommen. Und weil gerade nette Kollegen den Arbeitsalltag oftmals viel angenehmer gestalten, dürfen Sie eine solche Errungenschaft ruhig genießen.

Hält man Sie für überfordert?

In jedem Job ist manchmal eine Menge zu tun. Wenn die Zeiten hart werden und alle mehr länger am Schreibtisch sitzen als sonst, man sich jedoch ungefragt über Ihre Arbeiten hermacht, ist das kein gutes Signal. Ein solches Verhalten lässt sich manchmal darauf zurückführen, dass Ihre Kollegen Sie für überfordert halten und deswegen lieber gleich Ihren Teil übernehmen, ehe sie ihn zu einem späteren Zeitpunkt korrigieren müssen.
Allerdings ist gerade hier mit Interpretationen Vorsicht geboten- manchmal möchte man Ihnen nämlich gar nichts Böses. Es kann genauso gut sein, dass eine Kollegin sich entschieden hat, Sie angesichts Ihres Arbeitspensums etwas zu entlasten. Damit möchte Sie Ihnen keinesfalls Überforderung unterstellen, sondern ihre Hilfe anbieten. Wenn Ihr Kollege hingegen die Angewohnheit hat, stets die Hände hinter dem Kopf zu verschränken und sehr lässig auf dem Stuhl zu hängen, kann das Überlegenheit symbolisieren. Ein anderes Zeichen ist der Oberhandgewinn. Verdreht sich die Hand Ihres Kollegen während eines Handschlages kaum merklich, sodass die eigene nach oben zeigt, kann damit der Wunsch nach Dominanz einhergehen.

Die fünf Typen am Arbeitsplatz und wie man mit ihnen umgeht

In der Psychologie wurden verschiedene Typen am Arbeitsplatz ausgemacht. Wenn es Ihnen gelingt, diese zu durchleuchten und zu verstehen, fällt Ihnen der richtige Umgang mit den Kollegen garantiert einfacher.

1. Der Angreifende
Der Angreifende mag es, die Schuld an andere abzutreten. Darüber hinaus verbringt er viel Zeit damit, über die Fehler seiner Kollegen zu sprechen. Durch eine solche Entwertung können Menschen, psychologisch betrachtet, ihr eigenes Selbstwertgefühl aufbessern. Sie rüsten sich gegen den Angreifer-Typen, indem Sie seine Worte bezüglich Ihrer Leistung bestenfalls einfach überhören. Lassen Sie sich von ihm nicht niedermachen. Setzen Sie Ihren Satz bei Unterbrechungen einfach fort.

2. Der Egozentriker
Menschen, die dazu neigen, sich immer wieder beweisen zu müssen, haben mit einem kleinen Selbstbewusstsein zu kämpfen. Sie werten Kollegen zwar nicht ab, sehen eigene Leistungen aber besonders gerne im Mittelpunkt. Wenn mehrere Kollegen dem Egozentriker-Typus angehören, kann eine Wettkampfsituation entstehen. Loben Sie Ihren Egozentriker-Kollegen ruhig hin und wieder ausgiebig. Das dämpft den Konkurrenzgeist etwas.

3. Der dominierende Bestimmende
Der dominierende Bestimmende möchte am liebsten alles kontrollieren. Er stellt viele Regeln auf und lässt keinen Platz für Überraschungen, Kreativität oder Spontanität. Dominierende Bestimmende können zwar manchmal anstrengend sein. Sie sind aber in Führungspositionen gut aufgehoben durch ihre deutlichen Leitlinien.

4. Der introvertierte Distanzierte 
Rationale und distanzierte Kollegen gehören oft diesem Typen an. Sie halten ihre Meinung gerne hinter dem Berg oder verstecken sie in gewollt objektiven Ausdrucksweisen. Aber Distanz muss nicht immer etwas Schlechtes sein. Der Introvertierte Distanzmensch hat in der Berufswelt auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Respektieren Sie seine Grenzen.

5. Der Helfende
Der Helfende hört allen zu und gibt Ratschläge. Damit ist er meistens beliebt. Allerdings handelt es sich bei seinem Verhalten manchmal bei einer Masche, die eigene Schwächen kaschieren soll. Pflegen Sie ruhig einen gesunden Kontakt zur guten Büroseele. Aber achten nutzen Sie den Helfenden nicht aus durch die Abgabe zu vieler Aufgaben, die der Helfende oftmals mit Freude übernimmt.

Fazit: Viel Interpretation
Menschenkenntnisse können hilfreich sein. Seien Sie sich jedoch stets bewusst, dass wir uns im Raum der Interpretation befinden. Manchmal ist die Welt gar nicht so, wie wir sie uns vorstellen. Und das kann unter Umständen schwere Folgen haben. Also übertreiben Sie es lieber nicht mit der Kategorisierung Ihrer Kollegen. Bei starken Unklarheiten können Sie auch einfach nachfragen und auf diese Weise Konflikte aus der Welt schaffen.

Bild: FirmBee William Iven / pixabay.com Lizenz: CC0 Creative Commons

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.