JAV: Wie Auszubildende im Betrieb Einfluss nehmen können

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre,“ ist ein klassischer Ausspruch, den sich auch Auszubildende immer wieder anhören müssen. Dass Berufsanfänger jedoch ebenfalls wichtige Rechte haben, sollte dabei nicht vergessen werden. Wer in einem größeren Betrieb arbeitet und sich aktiv am Geschehen beteiligen möchte, sollte darüber nachdenken, in der Jugend- und Auszubildendenvertretung mitzuwirken.

Jugend- und Auszubildendenvertretung: Wann sie gebildet werden kann

Grundsätzlich muss nicht in jedem Betrieb gleichermaßen eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gegründet werden. Erst dann, wenn mindestens fünf Mitarbeiter jünger als 18 Jahre oder alternativ Auszubildende unter 25 Jahre sind, ist die erste Voraussetzung erfüllt. Darüber hinaus jedoch muss im jeweiligen Unternehmen bereits ein Betriebsrat aktiv sein.

Die JAV steht für die Rechte junger Angestellter ein. (Quelle Bild: rawpixel (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Erst wenn diese beiden Punkte erfüllt sind, muss auch eine JAV gebildet werden. Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine Option, sondern um einen obligatorischen Schritt. Der Betriebsrat ist also dazu verpflichtet, eine JAV wählen zu lassen, wenn alle Bedingungen erfüllt sind, Entsprechende Formulare und die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn der Betriebsrat sich sperrt, hat poko.de zusammengestellt. Wie die Wahl letztlich abläuft, ist ebenfalls vorgegeben.

Die Aufgaben der JAV im Betrieb

Die einmal gebildete Jugend- und Auszubildendenvertretung hat einige Rechte und Pflichten, die sich vor allem rund um die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen und Auszubildenden im Betrieb drehen. Anhaltspunkt für die Aufgaben der JAV ist das Bundespersonalvertretungsgesetz. Den genauen Paragraphen finden Interessierte unter gesetze- im-internet.de.

Grundsätzlich gehört dann die Beantragung von Maßnahmen, die den Jugendlichen und Auszubildenden dienen, zu den Aufgaben der JAV. Hier wendet sich die Gruppe stets an den Personalrat als direkten Ansprechpartner. Auch müssen die Mitglieder der JAV stets ein offenes Ohr für die Probleme der Jugendlichen und Auszubildenden beweisen. Kommt es zu Beschwerden oder äußert ein Jugendlicher eine für ihn wichtige Anregung, muss die JAV das Anliegen prüfen und gegebenenfalls die Durchsetzung weiterer Maßnahmen in die Wege leiten. Auch hier ist der Personalrat des betreffenden Unternehmens der richtige Ansprechpartner.

Regelmäßige Gespräche mit Jugendlichen und Auszubildenden gehören zur Arbeit der JAV. (Quelle Bild:  Free-Photos (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Darüber hinaus ist es für Mitglieder der JAV Pflicht, die Einhaltung wichtiger Gesetze und Vorschriften zu kontrollieren, die dem Schutz von Jugendlichen und Auszubildenden dienen. Hierfür ist es wichtig, dass sich alle Mitglieder aktiv am unternehmerischen Geschehen beteiligen und regelmäßig mit Auszubildenden und Jugendlichen sprechen. Werden hierbei etwaige Missstände aufgedeckt, muss die JAV für eine Verbesserung der Situation einstehen.

Um stets im Bilde zu sein, was die Veränderungen im Unternehmen betrifft, nimmt in aller Regel ein Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung an den Sitzungen des Personalrats teil. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn der Personalrat über Punkte entscheiden soll, die die Jugendlichen und Auszubildenden im Unternehmen betreffen. Hier haben die JAV Mitglieder nicht nur ein Teilnahmerecht, sondern dürfen bei spezifischen Angelegenheiten mit abstimmen.

Weitere Informationen rund um die Aufgaben, Rechte und Pflichten der Jugend- und Auszubildendenvertretung hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf jav.info gesammelt.

Warum die JAV auch die Karriere beeinflusst

Wer Teil der Jugend- und Auszubildendenvertretung ist, mutet sich einiges zu. Schließlich befinden sich die meisten Mitglieder selbst noch in Ausbildung und müssen zusätzlich zu ihren beruflichen Aufgaben und dem Lernen in der Berufsschule aktiv an der Gestaltung des unternehmerischen Alltages mitwirken. Daher ist es für jeden empfehlenswert, vor der Wahl genau darüber nachzudenken, ob die zusätzliche Arbeit tatsächlich gewünscht ist, oder ob Ausbildung und Arbeit möglicherweise unter der Zusatzbelastung leiden könnten.

Die JAV-Mitgliedschaft verfehlt ihre positive Wirkung im Lebenslauf nicht. (Quelle:  loufre (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Passen JAV und Ausbildung jedoch zeitlich zusammen und wird die große Verantwortung übernommen, hat das vielfältige positive Nebeneffekte. Nicht nur werden Mitglieder der JAV zu geschätzten Mitarbeitern und können sich bereits vor der Beendigung ihrer Ausbildung einen Namen machen. Darüber hinaus ist es für JAV Mitglieder im Rahmen ihrer Tätigkeit möglich, einen sehr viel detaillierteren Einblick in verschiedene Abteilungen und Aufgabenbereiche zu erhalten und sich mit rechtlichen Belangen der Arbeitswelt zu beschäftigen.

Steht nach der Ausbildung dann keine Übernahmemöglichkeit zur Verfügung und müssen erneut Bewerbungen geschrieben werden, profitieren ehemalige JAV-Mitglieder von ihrem Engagement. Künftige Arbeitgeber erkennen dann, dass es sich um einen motivierten Mitarbeiter handelt, der sich gerne aktiv einbringt und über das gewohnte Maß hinaus an Abläufen und einem guten Miteinander interessiert ist. Zusätzlich liefert die einstige Mitarbeit in der JAV wichtige Hinweise auf sogenannte Soft-Skills wie

  • Teamfähigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Empathiefähigkeit
  • und soziale Kompetenz.

JAV-Mitglieder mussten schon früh im Arbeitsleben mit großen Aufgaben zurechtkommen und sich in einem neu gebildeten Team zurechtfinden. Auch das Äußern von und den Umgang mit konstruktiver Kritik lernen die Mitglieder ganz nebenbei. Wer sich also wieder auf Jobsuche befindet und die JAV-Mitgliedschaft im Lebenslauf erwähnt, kann oft schon vor dem ersten Gespräch von sich überzeugen und lässt andere Bewerber hinter sich. Das und natürlich auch die spannende Tätigkeit an sich sind gute Argumente für zusätzliches Engagement im Ausbildungsbetrieb.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.