Warum Home-Office so beliebt ist

Millionen Berufstätige beginnen und beenden ihren Arbeitstag in der U-Bahn, im Bus oder im Auto. Menschenmassen, Verkehrschaos, nie enden wollende Staus oder verspätete Verkehrsmittel; wer dann endlich am Abend daheim angekommen ist, kann ein bis zwei Stunden entspannen, bevor er die Nachtruhe beginnt, da er am nächsten Tag wieder in der Früh aufstehen muss. Kein Wunder, dass sich immer mehr Arbeitnehmer für Home-Office interessieren, obwohl sich die Anzahl der Heimarbeiter insgesamt laut Statistischen Bundesamt auf dem Rückgang befindet. Lediglich 8 Prozent aller abhängigen Arbeitnehmer, sollen laut einer veröffentlichten Publikation des DIW im Jahr 2012 von zu Hause aus gearbeitet haben. Bei den selbständigen und Freiberuflern ist der Anteil höher. Die gute Nachricht: Heute gibt es bereits zahlreiche Unternehmen die nicht abgeneigt sind, wenn die Mitarbeiter ihre Arbeit ganz oder teilweise von zu Hause erledigen.

home-officeRund die Hälfte aller Home- Office Jobs werden im Vertrieb und Verkauf angeboten

In welchen Branchen ist Home-Office möglich?

Arbeitnehmer, die ihren Beruf mit der Familie vereinbaren möchten, wünschen sich eine flexiblere Arbeitszeit, die im Rahmen der Heimarbeit möglich ist. Die meisten aller Home-Office-Stellen werden im Verkauf, Vertrieb und Marketing angeboten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Berufe, deren Tätigkeiten problemlos in den eigenen vier Wänden durchgeführt werden können. Mobilität ist aber in diesen Bereichen dennoch eine Voraussetzung; oftmals werden Home-Office-Stellen für Außendienstmitarbeiter, Kundenbetreuer oder Sales-Manager angeboten. Auch Quereinsteiger, die über keine kaufmännische Ausbildung verfügen, können im Verkauf, Service oder Vertrieb durchstarten und sich über eine eventuelle Home-Office-Stelle freuen. Begehrt sind Ingenieure und technische Fachkräfte; auch Informatiker inclusive Webdesigner, Lehrer, Juristen, Call Center Agenten, Pharmazeuten und Ärzte, die fachspezifische Kundenberatungen durchführen können, haben gute Chancen, eine derartige Stelle im Home-Office zu erhalten. Vor allem sind es die Informatiker, die eine besonders große Chance haben, ihren Beruf daheim ausüben zu können. Aber auch Bürokaufleute, Redakteure, Grafikdesigner oder Werbetexter – all jene können Teile ihrer Arbeit auch im eigenen Büro, das sich in der Wohnung befindet, erledigen.
Wenig Chancen gibt es bei handwerklichen, industriellen und Berufen die auf die Struktur und Betriebsausstattung im Unternehmen angewiesen sind.

office-626097_1280Mit einem Hochschulabschluss steigen die Chancen auf die Möglichkeiten im Home Office zu arbeiten

Akademiker sind besonders gefragt

Wer über einen Hochschulabschluss verfügt, kann die Chancen auf Heimarbeit steigern. Viele Stellenanzeigen, die Mitarbeiter für die Heimarbeit suchen, sollen Akademiker ansprechen. Besonders die Eigenverantwortlichkeit ist ein heißes Thema; das Unternehmen möchte ja schlussendlich, dass der Mitarbeiter seine Aufgaben selbstständig und ohne Nachfragen erledigt. Wer sich hingegen noch tagtäglich auf den Weg ins Büro macht, hat aber dennoch die Möglichkeit, irgendwann einen Home-Office-Posten zu bekommen. Mitunter reicht es ja auch, wenn der Chef einmal auf die Möglichkeit angesprochen wird. Home-Office wird nämlich immer beliebter; auch Unternehmer haben erkannt, dass Mitarbeiter, die ihrem Beruf daheim nachgehen, durchaus ihre Vorteile haben. Natürlich bringt Home-Office auch eine enorme Umstellung mit sich. Es fehlt die Tagesstruktur, die vom Unternehmen vorgegeben wird. Wer dann seinen Job im Pyjama bestreitet und am Ende zwischen Berufs- und Privatleben nicht mehr unterscheiden kann, wird sich relativ schnell in einer kaum zufriedenstellenden Position befinden. Home-Office bedeutet nämlich nicht, dass der Arbeitnehmer flexibel und ohne Rhythmus arbeiten kann. Auch wenn Home-Office mehr Freiheit bedeutet, muss der Arbeitnehmer dennoch erreichbar sein. Aus diesem Grund ist auch beim Home-Office eine Arbeitszeit vorgesehen, in welcher der Arbeitnehmer für seinen Vorgesetzten oder Kollegen – zumindest telefonisch – erreichbar sein muss.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Bevor Sie also voller Überzeugung zu Ihrem Vorgesetzten gehen und ihm die Vorteile des Home-Office aufzählen, sollten Sie sich selbst die Frage stellen, ob Heimarbeit eine tatsächliche Alternative darstellen würde. Erst dann, wenn Sie überzeugt sind, ihre Tätigkeiten auch von daheim aus zu erledigen, sollten Sie mit Ihrem Chef darüber sprechen und erste Vorkehrungen treffen.

Schritt Nummer 1
Schaffen Sie Voraussetzungen

Zu Beginn machen Sie sich noch Gedanken, ob und inwiefern Home-Office überhaupt möglich wäre. Der „Reality Check“ steht an: Ist es möglich, die Tätigkeiten auch in den eigenen vier Wänden zu erledigen? Gibt es die Möglichkeit ein eigenes „Büro“ einzurichten oder genügt ein Laptop, der auch am Wohnzimmertisch Platz hat?

Schritt Nummer 2
Die Erreichbarkeit

Sie müssen, auch wenn Sie Ihre Arbeit von daheim aus erledigen, erreichbar sein. Haben Sie eine schnelle Internetverbindung, können Sie telefonisch erreichbar sein oder mitunter auch Skype auf Ihrem Rechner installieren, um in Kontakt mit Ihrem Vorgesetzten oder mit anderen Kollegen zu bleiben?

Schritt Nummer 3
Das Arbeitszimmer

Nicht jede Wohnung bietet einen Rückzugsort, der als Büro umfunktioniert werden kann. Benötigen Sie einen eigenen Raum oder genügt es Ihnen, mit dem Laptop bewaffnet am Küchentisch zu sitzen? Stellen Sie sich ehrlich die Frage, ob Sie den Ablenkungen widerstehen und überall in den eigenen vier Wänden ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen können, bevor Sie sich für Home-Office entscheiden. Zudem ist es wichtig, wenn Sie vorwiegend mit Bürotätigkeiten beschäftigt sind, einen dementsprechenden Schreibtisch zu haben. Unter bueromoebel-experte.de finden Sie eine große Auswahl an unterschiedlichen Modellen. Wenn Sie ein eigenes Büro einrichten, ist der Schreibtisch besonders wichtig und sollte so aufgestellt werden, dass Sie nicht vom Sonnenlicht oder Reflextionen auf dem Monitor geblendet werden. Für eine optimale Arbeitshöhe bieten sich wie im richtigen Büro höhenverstellbare Modelle besonders an. Schlussendlich verbringen Sie, wie auch im vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Büro, viel Zeit vor dem Schreibtisch.

Schritt Nummer 4
Setzen Sie die Unternehmensbrille auf

Am Ende geht es um wirtschaftliche Entscheidungen und nicht um Ihre persönlichen Wünsche und Ziele. Der Arbeitnehmer muss einen Vorteil erkennen können; es spielt für Ihren Vorgesetzten keine Rolle, ob Sie nicht mehr mit der Bahn fahren möchten oder Benzinkosten sparen wollen. Sind Sie der Meinung, Ihr Unternehmen profitiert von dem Umstand, dass Sie von daheim aus Ihrem Beruf nachgehen? Legen Sie die Fakten auf den Tisch und argumentieren Sie für das Unternehmen und nicht für Ihre Vorteile.

Die Vorteile im Überblick

Ein erheblicher Zeitgewinn

Es gibt zahlreiche Pendler, die lange Strecken zurücklegen und immer wieder im Stau stehen. Studien aus Stuttgart haben gezeigt, dass der Pendler – pro Jahr – 80 Stunden im Stau steht. Ein unrühmlicher Rekord. Pendeln kostet Zeit und Kraft; Faktoren, die sich negativ auf die Arbeitsleistung auswirken und somit keinen Vorteil für das Unternehmen darstellen. Arbeitet der Mitarbeiter von daheim aus, hat er nicht nur einen Zeitgewinn, sondern kann ausgeruhter und konzentriert an die Sache rangehen.

Sie sind entspannter

Sie können nicht nur länger schlafen, sondern auch einmal zu Mittag auf dem Sofa liegen und kurz Ruhe finden. Das mag einerseits gut für Ihr Wohlbefinden sein, andererseits auch dabei helfen, die Arbeits-Produktivität zu steigern. Studien haben bereits mehrfach bewiesen, dass „Powernap“ die Konzentrationsfähigkeit erhöht.

Eine Kostenersparnis

Sie nutzen Ihr eigenes Equipment. Drucker, Laptop, PC, Smartphone, Tablet – auch Strom, Kaffeemaschine, Druckerpatronen, Parkplätze können von Unternehmerseite eingespart werden. Das Unternehmen spart also Geld, wenn Sie Ihrer Tätigkeit im Heimbüro nachgehen.

Erreichbarkeit

Natürlich ist der Chef kritisch. Sind Sie erreichbar? Hat er noch Kontrolle über Ihre Entscheidungen und Tätigkeiten? Nehmen Sie Ihrem Vorgesetzten die Angst und seien Sie telefonisch oder per Skype (oder anderen Programmen) verfügbar; im Endeffekt ist der Unterschied, ob Sie nun am Telefon im Büro oder auf dem Privattelefon daheim angerufen werden, nicht zu erkennen.

Der Testlauf

Vereinbaren Sie einen Probelauf. Vielleicht möchte Ihr Vorgesetzter noch nicht zustimmen, lässt sich aber auf ein Experiment ein, dass am Freitag von daheim aus gearbeitet werden kann. Mitunter wird es auch längere Testläufe geben, die eine Woche oder ein Monat dauern können. In dieser Zeit ist es wichtig, dass Sie die Punkte, die Sie positiv hervorgehoben haben, erfüllen und so Ihrem Chef die letzten Zweifel nehmen.

Die Frage nach der Versicherung

Doch wie ist das mit der Versicherung? Gibt es einen Versicherungsschutz auf dem Weg in die Küche oder zu der Toilette? Was passiert bei einem Unfall, der in den eigenen vier Wänden – im Rahmen der Heimarbeit – stattfindet? In Deutschland hat sich das Bundessozialgericht mit einem derartigen Fall befasst; eine Frau, die nach Rücksprache mit ihrem Vorgesetzten einen Home-Office-Arbeitsplatz eingerichtet hat, stürzte auf der Treppe und brach sich das Bein. Die deutsche Unfallkasse sah keinen Arbeitsunfall und verweigerte die Zahlung. Das Bundessozialgericht folgte der Argumentation der Versicherung: Wer die häusliche Treppe benutzt, um sich ein Glas Wasser zu holen, nehme keinen „Betriebsweg“ wahr, sondern sei im Privatbereich unterwegs, da die Küche nicht zum Arbeitsplatz gehöre.

Die Lösung?

Ratsam sind einerseits unternehmensspezifische Versicherungen, andererseits auch private Vorsorge- und Unfallversicherungen, die mitunter jene Grauzonen beleuchten, die Home-Office-Arbeitsplätze mit sich bringen. Ob Freiberufler oder Angestellter spielt keine Rolle; wichtig ist, dass scheinbar nur in der Theorie vorkommende Ereignisse, wie der Sturz in den eigenen vier Wänden während der Heimarbeit, dennoch versichert sind.
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