Anti Stress Gesetz eine wirkliche Alternative ?

Das geplante Anti-Stress-Gesetz: Eine Alternative für die soziale Gestaltung kommunikativer Arbeitsprozesse?

© dzhafarov_eduard - Fotolia.com
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In den letzten Jahren sind Internet und mobile Kommunikation zu einem Wachstumsfaktor geworden. Weil die Unternehmen und ihre Mitarbeiter dank mobiler und sozialer Interaktionen flexibler auf die Anforderungen des weltweiten Markts reagieren können, ist Deutschland wirtschaftspolitisch gut aufgestellt.

Das Internet und die mobile Kommunikation stellen neue Anforderungen an die Mitarbeiter

Allerdings hat der Wandlungsprozess hin zu flexibler Kommunikation dazu geführt, dass mehr Stress auf die Arbeitnehmer und ihre Chefs einwirkt, als in den guten alten Zeiten der verwaltungsbezogenen IT-Entwicklung. Denn nun können die Chefs und ihre Mitarbeiter sehr viel leichter auch nach Feierabend und während der Urlaubs- und Krankheitszeiten in die Kommunikation eintreten. Einige Wissenschaftler sprechen bereits davon, dass die Trennung von Arbeit und Freizeit bald überholt sein wird. Ob dies so gut für Politik und Gesellschaft wäre, wird bezweifelt. Fakt ist aber, dass die neuen Entwicklungen zu einer starken Beanspruchung der Mitarbeiter außerhalb der offiziell definierten Arbeitszeiten geführt hat, die sich auch in gesundheitlichen Problemen (Burn-out, Depression, ständige Unruhe, Zunahme von Angst- und Überlastungsgefühlen) zeigt.

Die Berliner Politik reagiert verzögert auf die Anpassungsprozesse in der Arbeitswelt

Lange Zeit hat man in Berlin und innerhalb der Führungskreise der etablierten politischen Kräfte sehr zurückhaltend auf die dynamische Entwicklung des Internet und der mobilen Kommunikation reagiert. Doch nun wird verstärkt (insbesondere aus dem Bereich der Gewerkschaften und der „linken“ Parteien) gefordert, dass man mit einem Anti-Stress-Gesetz auf die neuen Entwicklungen in der Arbeitswelt reagieren soll. Der Sinn dieser Forderung wird nicht nur von den konservativen und auf die Kapitalseite bezogenen Interessenvertretern bezweifelt, auch kritische Beobachter können sich nicht für das Anti-Stress-Gesetz begeistern. Es wird darauf verwiesen, dass bereits die bestehenden Gesetze ausreichende Regeln für die Beanspruchung der Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeit treffen. So müssen mehr als gelegentliche Anrufe der Chefs während der arbeitsfreien Zeit der Mitarbeiter als Überstunden eingestuft werden, die gemäß der arbeitsrechtlichen Regeln eigentlich durch Geld oder Freizeitausgleich zu vergüten wären. Führt dieses Kommunikationsverhalten der Chefs sogar dazu, dass faktisch eine Rufbereitschaft entsteht, dann liegt sogar eine dauerhafte Arbeitstätigkeit vor, die aber nach den Regeln des Arbeitszeitgesetzes unzulässig wäre.

Fazit: Ein Vollzugsdefizit bei den bestehenden Arbeitsgesetzen kann nicht durch ein neues Anti-Stress-Gesetz überwunden werden

Ein neues Gesetz macht keinen Sinn, wenn bereits die bestehenden Gesetze nicht eingehalten werden. Bevor man über ein Anti-Stress-Gesetz nachdenkt, sollte man sicherstellen, dass durch staatliche Kontrollen oder Stärkung der Betriebsratsrechte die bestehenden Arbeitszeit- und Arbeitssicherheitsgesetze eingehalten werden. Erkennen die Unternehmen, dass eine starke Beanspruchung der Mitarbeiter außerhalb der regulären Arbeitszeit mit Kosten verbunden ist, dann wird dies die Motivation steigern, auf die Vorgesetzten einzuwirken, um solches Verhalten wieder auf einen angemessenen Umfang zurückzuführen.

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