Soll man Körperschmuck am Arbeitsplatz zeigen?

© pedschwork - Fotolia.com
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Ein Ohrring am Arbeitsplatz ist kein Problem, wenn der Mitarbeiter eine Mitarbeiterin ist. Auch dezente Tattoos am Oberarm werden hingenommen, wenn die Frau des Bundespräsidenten sie trägt. Doch Nasenringe und Piercings bei Männern sind bei Chefs nicht gerne gesehen, insbesondere wenn der Mitarbeiter Kundenkontakt hat. Doch wie ist es rechtlich zu beurteilen, wenn das Unternehmen mit Verboten und Kleiderordnungen agieren möchte? Sollte der Mitarbeiter nicht besser von vornherein auf auffälligen Körperschmuck verzichten?

Körperschmuck liegt im Trend der Zeit

Nicht jeder findet es gut, doch Körperschmuck wird immer beliebter in der Öffentlichkeit. Männer tragen Ohrringe und Armreife und machen mit weiterem Körperschmuck auf sich aufmerksam, selbst wenn sie nicht schwul sind. Frauen haben auch für sich kein Problem, wenn sie ergänzend zu den Armreifen und dem schwarzen Fingerlack auch auffällige Tattoos zu tragen. Manche lassen sich Zunge oder Brustwarzen mit Nägeln durchstechen und zeigen mehr oder weniger dezent den Kunden und Besuchern ihren Körperschmuck. Zurückhaltende Tattoos gehören der Vergangenheit an, wer mit Körperschmuck auf sich aufmerksam machen möchte, der lässt sich Gesicht und Hände und sonstige sichtbare Hautteile „zutackern“ oder bebildern.

Rechtliche Bewertung von Körperschmuck

Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland hat jeder das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Dieses Recht kann auch nicht durch Vorgaben des Arbeitgebers in seiner Grundsubstanz aufgehoben werden, selbst wenn dieser mit dem Betriebsrat eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen hat. Aber man kann es den Chefs nicht verbieten, schlecht über Mitarbeiter zu denken, die in Vorstellungsgesprächen nett und adrett erscheinen, dann aber nach der Einstellung bzw. der Probezeit ein Schlampen-Image zum Ausdruck bringen. Die Rechtsprechung hat dies auch erkannt und deshalb in Extremfällen ein Abmahnungs- und Kündigungsrecht vorgesehen. Allerdings müssen diese Fälle schon sehr extrem sein. Wer bloß ein leicht sichtbares Tattoo zeigt oder sich ein paar unauffällige Piercings im Gesicht anbringen lässt, der sollte vor außerordentlichen personellen Maßnahmen geschützt sein. Allerdings muss er sich dann nicht darüber wundern, dass die Karriere nicht so recht vorankommen will. Speziell im Bankbereich oder bei Behörden braucht man wohl keine Mitarbeiter, die ihre Klienten mit unästhetischem Körperschmuck behelligen.

Verbote sind möglich, wenn die Arbeitssicherheit gefährdet ist

Im Produktionsbereich kann Körperschmuck zum Problem werden. In der Hotelküche kann es schon ein Problem sein, wenn der Mitarbeiter längere Haare gerne offen trägt. In der Bäckerei werden Mitarbeiter schon mal aufgefordert, Armreifen oder Eheringe abzulegen, weil dies als unhygienisch eingestuft wird. Immer dann, wenn Kontakt mit Maschinen gegeben ist, kann Körperschmuck in Metallform durch Arbeitssicherheitsrichtlinien unterbunden werden. Strittig ist allerdings die Frage, inwieweit das Unternehmen das Verhalten und die körperliche Präsenz normieren kann, wenn es allein um den Kundenkontakt geht. Schließlich kann man eine Lebensversicherung vermitteln, auch wenn man eine auffällige Sicherheitsnadel durch die Lippen gezogen hat. Ob der Vermittlungserfolg für Versicherungsvertreter mit Körperschmuck allerdings genauso gut erreichbar ist wie bei den typischen Vertretern, das kann bezweifelt werden.

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