Überstunden – Jeder Dritte leistet Sie regelmäßig

Überstunden zu leisten ist in Deutschland keine Seltenheit. Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten mehr, als eigentlich schriftlich in ihrem Arbeitsvertrag vereinbart worden ist. Bereits jeder Dritte ist von Mehrarbeit betroffen – meist um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit hat gezeigt, dass 37 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen 45 Stunden pro Woche oder mehr arbeiten.

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Die gesetzliche Höchstarbeitszeit ist gesetzlich durch das Arbeitszeitgesetz geregelt.

Gesetzliche Vorschriften bezüglich der erlaubten Arbeitszeit

In Deutschland gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit von durchschnittlich acht Stunden täglich. Festgelegt ist dies formal im Arbeitszeitgesetz (ArbZG). Ausnahmen von der erlaubten täglichen Arbeitszeit (auf bis zu zehn Stunden) dürfen nach dem Gesetz nur dann geleistet werden, wenn die Stundenanzahl „innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Schnitt (bei) nicht mehr als acht Stunden werktäglich“ liegt. Dabei zählen auch Samstage mit. Auf Montag bis Freitag gerechnet ist es gesetzlich möglich, maximal 48 Arbeitsstunden abzuleisten, was täglich über neuneinhalb Stunden sind. Allerdings sind hier noch keine Pausen mitgerechnet, die ebenso vom Gesetz vorgeschrieben werden. Arbeitnehmer müssen nach sechs Stunden Arbeit 30 Minuten oder mehr pausieren, um danach weiterzuarbeiten. Nach neun Arbeitsstunden muss eine Pause von mindestens 45 Minuten eingelegt werden. Auch die Ruhezeit nach der Arbeit des Tages ist im Arbeitszeitgesetz geregelt. Hier muss jeweils eine Ruhezeit ohne Unterbrechung von mindestens elf Stunden eingehalten werden. Für leitende Angestellte gilt das Arbeitszeitgesetz übrigens nicht.

Ausnahmen bei Tarifverträgen in bestimmten Branchen

Es gibt in einigen Branchen allerdings Tarifverträge, die eine längere Arbeitszeit als gewöhnlich festlegen, z. B. wenn Arbeitgeber in Bereitschaft tätig sein müssen. Betroffen sind beispielsweise die Arbeitsbereiche Gastronomie, Krankenpflege und Landwirtschaft. Arbeitnehmer in diesen besonderen Branchen arbeiten auch an Sonn- und Feiertagen, was für andere Arbeitsbereiche gemäß § 9 ArbZG grundsätzlich nicht erlaubt ist. Wer aber beispielsweise am Sonntag arbeitet, muss dafür einen Ersatzruhetag einlegen, der in den darauffolgenden zwei Wochen gewährt werden muss. Bei Feiertagsarbeit muss als Ausgleich der Ersatzruhetag innerhalb von acht Wochen genommen werden. Interessant zu wissen ist, Teilzeitbeschäftigte generell keine Überstunden leisten müssen (aber auch hier gibt es Ausnahmen, in denen es zumutbar erscheint). Auch Jugendliche und Schwangere stehen unter einem besonderen gesetzlichen Schutz. Mehr über den Schutz in der Schwangerschaft können Sie auf diesen Blog hier nachlesen. Schwerbehinderte Arbeitnehmer können sich vom Arbeitgeber von der Ableistung von Überstunden schriftlich freistellen.

Überstunden müssen vorher vereinbart werden

Die wenigsten Arbeitnehmer wissen, dass grundsätzlich gilt, dass Überstunden vorher vereinbart werden müssen. Nur in besonders dringenden Fällen darf eine Ausnahme gemacht werden. Interessant ist hierzu das Urteil des Bundesarbeitsgerichts 2 AZR 1162/78. Arbeitnehmer dürfen es ablehnen, Überstunden zu leisten, wenn die Arbeitszeit von zehn Stunden täglich überschritten werden würde sowie in den kommenden sechs Monaten kein Ausgleich abzusehen ist. Um dies zu klären, muss das Gespräch mit dem Arbeitgeber gesucht werden. Außerdem kann eine Bezahlung der Überstunden verlangt werden. Arbeitsverträge, nach denen geleistete Mehrarbeit durch das feste Gehalt abgegolten ist, sind nicht wirksam. Ein Anspruch auf Überstundenbezahlung erlischt nach drei Jahren, sofern nichts anderes im Arbeitsvertrag steht. Mehrarbeit sollte generell genau dokumentiert und bestätigt werden, damit ein Freizeit- bzw. Lohnausgleich durchgesetzt werden kann. Wichtig ist auch, dass die Überstunden jeweils vom Chef ausdrücklich angeordnet bzw. mit seinem Wissen gebilligt worden sein müssen. Denn Mehrarbeit ohne Anordnung kann keinen Ausgleich nach sich ziehen, wie das Landesarbeitsgericht entschieden hat.

Die negativen Folgen von zu viel Arbeit

Die meisten Arbeitnehmer, die häufig Mehrarbeit leisten, klagen darüber, keine Erholung in der knappen Freizeit zu finden. Sie können nicht abschalten, haben Schlaf- und Konzentrationsprobleme und haben ihre innere Balance verloren. Das belastet nicht nur die seelische Gesundheit, sondern mit der Zeit auch die körperliche. Werden aufgrund der Überlastung bei der Arbeit Fehler gemacht, so geraten die Betroffenen immer mehr in einen negativen Kreislauf, da sie sich vor dem Chef bewähren wollen. Wird ihre Mehrleistung darüber hinaus nicht ausreichend geschätzt oder ausgeglichen, so kann es auch zu einem Burn-out kommen. Darüber hinaus bleibt bei vielen Überstunden zu wenig Zeit für das Familienleben und soziale Kontakte, was mit weiteren Problemen einhergeht.

Foto: AJEL/pixabay.com – Lizenz CC0 Public Domain

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