Warum ein Studium nicht mehr so viel wert ist

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Universitäre Abschlüsse verlieren seit Jahren an Ansehen und man kann daher darauf schließen, dass auch das Studium nicht mehr so viel Wert wie früher hat. Das liegt vor allem an der Aufteilung der Studienmöglichkeiten in Bachelor- und Master-Komponenten. Das Bachelor-Angebot ist auf Massenabfertigung ausgerichtet und bietet kaum mehr an Wissenschaftspotential als eine gute Ausbildung an der gymnasialen Oberstufe. Master-Studien sind nur im beschränkten Maße möglich und sind auch inhaltlich beschränkt, weil sie nur das wissenschaftliche fundierte Reflektierten einer stark spezialisierten Teilfragestellung erlauben. Bachelor- und Master-Studienangebote fördern die Ausbildung von „Fachidioten“ und bereiten kaum auf beruflich zukunftsträchtige Handlungsumfelder aus. Wilhelm von Humboldt und seine Idee vom Studium als Lebensbildung ist auf dem Friedhof der Illusionen gelandet.

Wie kommt man als Student aus dieser Zwickmühle heraus?

Da die Universitäten und Fachhochschulen ihren Studenten keine angemessene Beratung für zukünftige berufliche Handlungsfelder bieten, müssen sich die Studenten selbst um ihre Qualifikation sorgen. Ergänzend zu den vorgeschriebenen Ausbildungsinhalten müssen bereits während des Studiums universitäre und außeruniversitäre Zusatzqualifikationen angestrebt werden, die besser auf zukünftige berufliche Karriereperspektiven ausgerichtet sind. Studenten wählen Studienfach und Hochschule häufig noch in Bezug auf die räumliche Nähe zum bisherigen Wohnort oder zum angestrebten Wohnort nach dem Ende des Studiums. Sie sollten sich aber fragen, ob diese Prioritäten angemessen sind, wenn es das Erreichen von interessanten Praktikumsplätzen oder guten studienbezogenen Zusatzqualifikationen geht. Als Student sollte man sich zunächst für ein anzustrebendes berufliches Umfeld entscheiden. Erst dann bestimmt man Studienfach und Studienort und orientiert sich dabei an Informationen, die aufzeigen, dass diese Entscheidungen gut zum geplanten Berufsziel passen.

Das Studium sollte nicht als Selbstzweck verstanden werden

Ein Studium ist nicht mehr Selbstzweck. Ein Studium sollte der Vorbereitung auf spätere berufliche Einsatzfelder dienen. Schließlich möchte man nach langen Jahren des Lernens einen Job in der Wirtschaft oder der Verwaltung bekommen, von dem man besser leben kann als der Rest der Bevölkerung. Viele Hochschulen haben das erkannt und akquirieren daher neue Studenten mit den tatsächlichen oder vermeintlichen Karriereaussichten ihrer Studienangebote oder ihres Studienumfelds. Doch diese Werbeversprechen sind kritisch zu prüfen. Man sollte bei der Studienplatzwahl auch berücksichtigen, dass beliebte Standorte in Ballungszentren einen hohen Ablenkungsfaktor mit sich bringen kann, der es verhindert, dass man ausreichend Zeit für notwendige Ergänzungsstudien und Praktika hat. Benötigt wird auch heute eine „skeptische Generation“, wie sie Helmut Schelsky für die 1950er-Nachkriegsjahre konstatiert hat. Hunger nach Bildung bedarf der Ergänzung durch eine Haltung, die Bildung und berufliche Karriere gleichermaßen ins Blickfeld nimmt.

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